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    Dr. Claudia Schäfer, Kunsthistorikerin und Direktorin der CUBUS Kunsthalle in Duisburg über Janett Brown

    "Bei den Arbeiten der Malerin zeigen sich zwei Entstehungsschritte: Der erste ist sehr intuitiv, Farbe und Formen werden mehr oder  

     weniger spontan angelegt. Die Künstlerin setzt anfangs nicht nur den Pinsel ein, sondern beginnt mit Schwämmen, Spachteln, Folienabdrücken und ihren Fingern zu experimentieren. Abstrakte Farbmischungen  entstehen, so wie undeutliche Bilder in den Wolken,  in einem Feuer, auf einer Rauhfasertapete oder auf den Flecken einer alten Mauer.

    In einem zweiten Schritt beginnt der eigentliche schöpferische Akt. Die Künstlerin schaut, läßt auf sich einwirken und interpretiert. Aus den entstandenen Farb- und Formkonstellationen holt sie ganz bewußt Figuren heraus, collagenartig schafft sie Objekte, Architekturen, Tiere und Landschaften, oft verwoben mit den unterschiedlichsten Symbolen und Zeichen.

    Sie extrahiert also das, was sie selbst erkennt und hält es mit kraftvollen Farben und Formen dauerhaft fest. Ihre Arbeitsweise nennt sie seit 2007 "ExTraherismus" nach dem lateinischen Begriff ex trahere = herausziehen. Damit geht sie genau den umgekehrten Weg, den die Abstrakten gingen: Nicht weg vom Konkreten, sondern aus unklaren Strukturen hin zum Konkreteren. Die Arbeiten erschließen sich nicht immer auf den ersten Blick, denn sie brauchen einerseits die Distanz zum Erfassen des ganzen Bildes und andererseits aber auch die Nähe zum Entdecken der unglaublich vielen Details.

    Wer sich auf ihre Bilder einläßt und das über die bekannten drei Sekunden Durchschnitts-Beschäftigungszeit hinaus, den lassen die Bilder kaum noch los. Er wird auf eine Entdeckungsreise gehen, die ihn als Rezipient in sein Innerstes führt. Denn alles,was er entdecken wird, entspringt letztendlich seinem eigenen Erfahrungshorizont. Die Künstlerin kann anregen und ihrer Erfahrung entsprechend interpretieren. Nur ob dies deckungsgleich mit der Interpretation des Betrachters ist, das hat sie nicht in der Hand, will es auch gar nicht.

    Während der Ausstellung in der Cubus-Kunsthalle konnte ich immer wieder erleben, dass Besucher sich plötzlich einen Stuhl nahmen, sich in die Bilder vertieften, diese Entdeckungsreise ganz offensichtlich genossen und längere Zeit nicht mehr los ließen."